Die Entwicklung afroamerikanischer Subkultur vom Edison Zylinder bis zum Hip-Hop - Ein musikalischer Krimi mit Peter Crow C. und Ferdinand Kraemer von Black Patti
Wie revolutionierte das Aufzeichnen und Abspielen von Musik die Welt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts?
Wie konnte eine folkloristische Musik, die ihren Ursprung in kleinen Landgemeinden hatte, zu einer weltweit relevanten Grundlage für alle Popmusik werden?
Warum waren Möbelgeschäfte in den USA der Streamingdienst der 20er Jahre?
Welche Rolle spielte der Export deutscher Intrumentenbaukunst dabei?
Antworten auf diese und noch viel mehr Fragen, erwarten die Zuhörerinnen und Zuhörer nun bei „Black Patti Talkin’ Roots“. Im Rahmen dieses Vortrags geben die zwei Musiker kurzweilig-spannende aber gleichermaßen tiefe Einblicke in die Materie.
Der Urknall des Blues, der zeitlich und örtlich definierte Beginn dieser Musik ist nicht ganz einfach einzugrenzen, da es sich beim Blues um eine ländliche, vorwiegend afroamerikanische Musiktradition handelt. Was sich allerdings sagen lässt, ist dass die frühesten Formen des Blues an unterschiedlichen Orten in den Südstaaten der USA um ca. 1900 entstanden sind. Kurz bevor mit dem Edison-Zylinder die ersten kommerziellen Methoden Musik aufzunehmen auf den Markt kamen, verschmolzen Feldgesänge der defakto noch versklavten Afroamerikaner (offiziell war die Sklaverei seit den 1860er Jahren mit dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges abgeschafft) mit der Musik der europäischen Einwanderer aus Irland, Deutschland (Intrumentenbaukünste), Frankreich, Italien und England und wurden zu einer Songtradition. Diese Musik wurde zur damaligen Zeit in sogenannten Stringband Formationen oder von Bluessängerinnen mit Orchesterbegleitung dargeboten.
Die offiziell erste Bluesplatte war die Aufnahme „Crazy Blues“ von Mamie Smith, 1920. Unmittelbar danach begann ein regelrechter Boom der sogennanten Race Records. Plattenfirmen entdeckten ganz neue Märkte in der schwarzen Landbevölkerung und begaben sich auf Exkursionen, wo mit mobilem Aufnahmeequipment sowohl schwarze Bluesmusiker, als auch arme, weiße Hillbilly Musiker aufgenommen wurden. Insofern sind auch die Begriffe des frühen Blues und der frühen Country Musik nicht komplett voneinander trennbar - der gemeinsame Nenner der Leute, die damals aufgenommen wurden, war die Armut und das Repertoire, mit dem man sich durchaus gegenseitig beeinflusste. Die Musik die von diesen Bevölkerungsschichten geschaffen wurde, gilt heute als der Grundstein aller westlichen Popularmusik.
Peter Crow C. und Ferdinand Kraemer sind nicht nur seit Jahrzehnten international musikalisch unterwegs, sondern auch weltweit vernetzt mit Bluesforschern, Schellackplattensammlern, Musikern und Universitäten, die sich mit afroamerikanischer Kultur befassen. Zu den nennenswerten Persönlichkeiten zählen u.a. Robert Crumb, Chris Strachwitz, David Evans, Joe Bussard, Karl-Gert Zur Heide, Axel Küstner, Fritz Rau und Harry Rowohlt.